Das kleine ABC der Lederarten
Das kleine Leder ABC der Lederarten
Leder, die zweite Haut des Menschen.
Leder ist so natürlich wie die Haut des Menschen. Seit Jahrtausenden lebt der Mensch mit Fellen und Leder. Von seiner Faszination hat Leder nichts eingebüßt. Es gibt nur ein Material , dass so viele positive Eigenschaften auf sich vereint: atmungsaktiv, anschmiegsam, elastisch, formtreu, zäh und strapazierfähig. Leder nimmt Körperfeuchtigkeit auf und kann sich gleichzeitig gegen allzu viel Nässe sperren, wenn sie von außen kommt. Leder ist warm, griffig, hat einen charakteristischen angenehmen Geruch und ist auch noch hygienisch.
Die Geschichte der Lederherstellung
Tierische Häute und Felle wurden schon in der Vorgeschichte der Zivilisation auf primitive Weise präpariert und so als Pelzbekleidung und zur Herstellung von Behausungen nutzbar gemacht. Nachdem wohl zunächst nur ein Trocknen und Reinigen der Rohhäute vorgenommen wurde, lernte der Mensch bald, dass durch ein Räuchern (eine Wärmebehandlung der natürlichen Fette) die Möglichkeit gegeben war, die tierische Haut weich, formbeständig be- und verarbeitbar zu erhalten. Damit war der Anfang für eine vielseitige Verwendung der tierischen Haut als persönliches Schutzmittel, also zur Kleidung, als Schuhwerk, zur Herstellung von Behältern jeder Art, zur Herstellung von Riemen, Seilen und dergleichen gegeben. Später erkannte man die gerbende Wirkung von Rindern und Hölzern, man lernte das Leder, das in dieser Weise erhalten wurde mit tierischen und pflanzlichen Farbstoffen, also mit Blut und Farbhölzern, zu färben und somit künstlerischen Gestaltungswillen und modischen Effekten zugänglich zu machen. Auch mit Mineralien, in erster Linie wohl Alaun, wurde in ein beständiges Leder umgewandelt und diese Gerbung, heute als Glacégerbung oder Weissgerbung bekannt, hat sich durch die Jahrtausende erhalten, wie sich überhaupt Leder durch die gesamte Geschichte der Menschheit gehalten hat und dabei seine außerordentliche Beständigkeit nachgewiesen hat. Die Gerbung war ursprünglich wohl Allgemeingut des praktischen Wissens eines Hausvaters, wurde in wesentlich späterer Zeit zu einer handwerklichen Tradition und die Verfahren zur Bearbeitung einer tierischen Haut wurden über Generationen überliefert und mit kleinen Abwandlungen durch die Jahrhundertwende beibehalten. Erst das Bestreben, größere Mengen in wirtschaftlicher rationeller Form herzustellen, führte dazu, dass auch die Lederherstellung wissenschaftlich untersucht, die technischen Verfahren überprüft und die modernen Technologien mit neuen Verfahren und Hilfsmitteln für neue Einsatzgebiete ausgearbeitet wurden. Die besonderen Eigenschaften des Leders machen es zu einem wertvollen und vielseitigen Material, dass für die Verarbeitung in der Schuh- und Bekleidungsindustrie besonders geeignet ist. Leder fault nicht und wird durch Bakterien und Mikroorganismen praktisch nicht mehr zerstört. Es trocknet auch bei wiederholtem Befeuchten weich auf, behält dabei seine Geschmeidigkeit und vor allen Dingen seine Form. Alles Eigenschaften, die für einen guten Schuh unabdingbar sind.
Die Gerbung und Zurichtung
Bis aus der tierischen Haut die wertvolle zweite Haut des Menschen wird, ist es ein weiter Weg.
In der Wasserwerkstatt der Gerberei wird als erstes Schmutz entfernt, beim Äschern werden die Haare aus der Haut gelöst, dann erst wird gegerbt. Die Häute werden in großen rotierenden Walkfässern gegerbt, das heißt sie werden mit pflanzlichen oder mineralischen Stoffen oder Fetten durchdrungen. Dann durchläuft die Haut noch viele Stationen in der sie entwässert, gefalzt, gefärbt, gefettet und getrocknet wird. Zum Färben des Leders gibt es verschiedene Verfahren:
Anilinfärbung
Hier wird das Leder im Fass flüssig durchgefärbt. D.h. das Leder ist nicht nur auf der Oberfläche gefärbt sondern durchgängig im Leder an sich. Farbabweichungen gehören zum Charakter dieses Verfahrens.
Die unregelmäßige und natürliche Struktur der Haut bleibt durch die durchsichtigen Anilinfarben erhalten.
Pigment- und Deckfärbung
Hier wird die Oberfläche des Leders durch Aufspritzen, Aufbürsten oder Aufgießen eingefärbt. Dadurch ist auch ein gleichmäßiges Farbbild möglich.
Semi-Anilinfärbung
Hier werden beide Färbverfahren miteinander kombiniert.
Lederarten
Jede Lederart hat ihre eigenen charakteristischen Eigenschaften. Um diese erkennen und entsprechend der Lederart pflegen zu können, sollte die verschiedenen Lederarten unterschieden werden können.
Die folgenden Punkte helfen ihnen dabei siehe auch "Schuhpflegetipps".
zuächst kann man zwischen Glattleder und Velourleder unterscheiden.
Glattleder
Glattleder ist die Oberhaut des Tiers, also die sichtbare Oberfläche nach Entfernung der Haare. Diese ist im Vergleich zur Unterhaut strapazierfähiger. Je nach Tier hat sie eine Unterschiedliche Zeichnung, aber wie der Name schon sagt immer eine glatte Oberfläche.
Lackleder
Lackleder hat eine glatte Oberfläche und wird mit einem dünnen geschmeidigen Film überzogen, der ihm seinen spiegelnden Glanz gibt.
Rauh- und Velourleder
Velourleder ist die Unterhaut des Tieres, also die Seite der Haut die zum Körperinneren liegt. Die Oberhaut kann auch gespalten werden und hat dann die raue, fasrige Oberfläche wie die Unterhaut. Zu den Velourledern gehört auch das Nubukleder.
Nubukleder
Für das Nubukleder wird allerdings (im Gegensatz zum normalen Velourleder) die Oberhaut verwendet und ist dadurch noch strapazierfähiger. Die Oberhaut wird angeschliffen und erhält dadurch die typische samtige, pfirsichartige Oberflächenstruktur.
Wildleder
Im Volksmund wird zu allen Rauh- und Velourledern „Wildleder" gesagt. Echtes Wildleder kommt aber tatsächlich nur von Tieren wie Reh, Elch, Hirsch, Antilope oder Gemse.
Neben den Glatt- und Rauh/Velourledern kann man natürlich noch weiter zwischen den verwendeten Tierarten unterscheiden wie Rindsleder, Kalbsleder, Ziegenleder, Chevreauleder, Schafsleder, Haarschafsleder, Schweinsleder, Reptilleder.
Diese lassen sich unter Anderem durch die Unterschiedliche Zeichnung der Oberflächenstruktur erkennen. Diese ergibt sich durch die Behaarung der Tiere.
Rind- und Kalbsleder
Die Haarporen sind in keiner erkennbaren Anordnung sichtbar. Die Haare haben keine festgelegte Gruppierung oder Richtung. Beim Kalbfell sind die Haarporen klein und verhältnismäßig eng beieinander. Beim Rind sind sie größer. Der Übergang geht vom Milchkalb zum Mastkalb und weiter zum Rind. Am fertigen Schuh ist es sehr schwer, exakt zu definieren, handelt es sich um ein Milchkalb oder Mastkalb, da der Übergang fließend verläuft. Rind- und Kalbsleder sind jedoch durch ihre Porengröße klar zu unterscheiden.

Lederarten, Rindleder
Es gibt Velour- und Glattleder:
Milchkalb (ca. 6-8 Wochen):
- Goldy-Calfleder, Oberhaut
- Nappa-Calfleder, Oberhaut
- Nubuk-Calfleder, angeschliffene Oberhaut
- Samt-Calfleder, Unterhaut
- Fantasieleder, wird bedruckt oder geprägt
Mastkalb (Fresser):
- Hunting-Calfleder, Ober- und Unterhaut am Stück, wird ohne Futter verarbeitet
- Mastbox-Leder, Oberhaut, wird gerollt und geboxt
- Nubuk-Leder, angeschliffene Oberhaut
- Spaltvelour-Leder, Unterhaut, gespalten
- Fantasieleder, wird bedruckt oder geprägt
Rind:
- Hunting-Rindleder, Ober- und Unterhaut am Stück, wird ohne Futter verarbeitet
- Rindbox-Leder, Oberhaut, wird gerollt und geboxt
- Nubuk-Leder, angeschliffene Oberhaut
- Spaltvelourleder, Unterhaut, gespalten
- Fantasieleder, wird bedruckt oder geprägt
- Nappa-Leder, Oberhaut
Ziegenleder, Chevreau, Capretto
Ziegen haben Gruppen von Haaren, die sich meist in leichten Schlangenlinien zueinander über das ganze Fell verteilen, wobei die einzelnen Haargruppen eine relativ gerade Ausrichtung haben. Diese Haargruppen bestehen aus 3-6 größeren Haarporen in denen die Grannenhaare waren, und 6-8 kleineren Haarporen parallel zu den größeren Haarporen, in denen die Wollhaare waren.

Lederarten, Ziegenleder, Chevreauleder, Capretto
Das besonders weiche Leder gibt es als Velour- und Glattleder:
- Ziegen-Velourleder, Unterhaut
- Chevreau-Leder, Oberhaut
- Samt-Ziegenleder, Unterhaut
Schafsleder
Das Schaf hat feine Wollhaare. Die Haarporen sind im Gegensatz zum Kalb und zur Ziege sehr klein und bilden praktisch keine Haartrichter. Die Haarporen sind meist doppelreihig, reihen sich dicht nebeneinander und bilden lange, leicht gewellte Linien, die sich die sich ab und zu verzweigen. Bei manchen Schafrassen ist in größeren Abständen ab und zu eine größere Haarpore vorhanden.

Lederarten, Schafleder
Es gibt Velour- und Glattleder:
- Lamm-Nappaleder, Oberhaut
- Skivers, dünnes Schafsspaltleder
- Double-Face-Leder, beidseitige Verwendung von Wollseite/Ober- und Unterhaut
- Lamfellfutter, Oberhaut/Wollseite
Haarschafsleder
Haarschafe werden auch als Bastarde bezeichnet, sind aber keine echten Bastarde. Die Haarporen, die bedingt durch die Grannenform der Haare sich leicht trichterförmig ausgebildet haben, sind einreihig und bilden lange, leicht geschwungene Linien, die sich ab und zu verzweigen. Das Haarschaf besitzt eine festere Struktur als das Wollschaf und wird deshalb auch als Oberleder eingesetzt.

Schweinsleder
Das Schweinsleder ist sehr grobporig und die Anordnung der Borsten ist in Dreiergruppen. Die große Poren der Borsten sind auch auf der Unterhaut sichtbar, da sich die Wurzeln im Unterhautzellgewebe befinden. Die kleineren Poren neben den Borsten stammen von den kleinen Wollhaaren. Diese sind in leichten Schlangenlinien angeordnet. Es findet in Schuhen vor allem als Schaftfutter und in den Decksohlen seinen Einsatz.

Lederarten, Schweinsleder
- Nubuk-Leder, angeschliffene Oberhaut
- Parco-Velour-Leder, Unterhaut
- Futterleder, Oberhaut
Reptilleder
Ist auch vom Nichtkenner sofort an der einzigartigen schuppenförmigen Struktur der Häute zu erkennen.
- Schlangenleder, Oberhaut
- Krokodil- und Alligatorenleder, Oberhaut
- Eidechsenleder, Oberhaut







